Clos de Balavaud

Jedes Weinbaugebiet hat seine Würdenträger. Im Wallis nennt sich einer "Clos de Balavaud". Ein Grand Cru, den nichts - ausser einer Naturkatastrophe - zu entthronen vermöchte. Verdankt er doch Rang und Namen einer genialen Lage, einer einmaligen Bodenbeschaffenheit. Sorgfältige Pflege und fortschrittliche Weinbautechnich können einen Qualitätswein schaffen. Niemals aber einen Grand Cru. Da wächst eine Persönlichkeit heran, ein Bouquet voller Aromen, subtile Geschmacksnoten - jedes Jahr neu erschaffen.

Die Jahreszeiten des Clos de Balavaud

REBSCHNITT IM WINTER

Die jedes Jahr wahrend der Wachstums-periode sich bildenden Triebe tragen an jedem Blattstielwinkel eine mit Schuppen bedeckte, schlummernde Knospe. Januar und Februar nimmt der Winzer von Balavaud die Rebschere zur Hand. Würde er alle schlummernden Knospen gewâhren lassen, gäbe es aus jeder einen neuen Trieb, der Blüten und Trauben tragen könnte. Die Weinlese würde mengenmässig ins Uferlose ausarten, uns aber eine mangelhafte Qualitât bescheren. Ein Grossteil der vorhandenen Knospen muss wohl oder übel geopfert werden, wenn man die Traubenproduktion und das vegetative Gleichgewicht im Griff behalten und dem Rebstock eine lange Lebensdauer sichern will. Kurzer Schnitt, langes Leben!

FRÜHLINGSERWACHEN

Die schnee- und regenreichen Winter-monate haben die Grundwasserschicht durchtränkt, was für die warmen und trockenen Monate ein unerlässliches Wasserreservoir darstellt. Unter den ersten warmen Sonnenstrahlen im April erwacht die Rebe. Plôtzlich räkeln sich die Knospen aus ihrem Winterschlaf, der junge Trieb durchbricht die schützende Wolle und lässt schüchtern zwei, drei Blättchen zarten Grüns spriessen. Der Mai bestätigt die Hoffnungen. Zu Beginn zeichnen sich die Trauben ab, Ende Monats entwickeln sie sich.

BLÜTEZEIT IM WEINBERG

Man müsste sich in Balavaud erkundigen, wenn man den Rebberg in Blüte erleben möchte. Die Blütezeit dauert oft nur wenige Tage (1988 vom 10. bis 17. Juni). Leichter Parfumduft liegt in der Luft, voll aromatischer Frische, die man im eleganten Bouquet des Fendant wiederfindet. Die Blütezeit endet mit der Befruchtung, gekennzeichnet durch das Anwachsen der Beeren.

REIFEBEGINN

Die Rebe ist wie jedes lebende Wesen Umwelteinflüssen unterworfen. Die klimatischen Bedingungen sind im Juli und August für das Wachstum des Rebholzes und dessen Lebenskraft entscheidend. Der Winzer von Balavaud ist auf der Hut. Will man das physiologische Gleichgewicht aufrechterhalten, muss die Rebe gegen Angriffe von Spinnen, Pilzen und Bakterien geschützt werden. Zu lange Ranken werden gestutzt, dem Unkraut wird der Garaus gemacht. Ab Anfang August hat man das Reifen im Auge. Dies beginnt mit der Fârbung der Beeren. Die weissen Traubenbeeren werden durch- sichtig und hellgrün, wâhrend die roten vom Grün ins Rot hinüberwechseln. Der Reifebeginn ist im Kalender des Winzers von Bedeutung. Von der Blütezeit bis zum Reifebeginn bezieht man sich auf die Vorjahre. Auf diese Weise kann man eine eher frühe oder späte Traubenreife voraussehen.

In guten Jahren rechnet man ailgemein von der vollen Blüte bis zur Weinlese hundert Tage und 45 bis 50 Tage vom Reifebeginn bis zur vollen Reife. Es sei denn, eine dieser unberechenbaren Launen des Wetters werfe sâmtliche Vorhersagen über den Haufen.